Egotronic
Der Techniker erzählt (Skit)
[Skit]
Hallo. Ich bin Peter und ich mische die Konzerte von Egotronic
Wer Egotronic einmal im letzten Jahr live erlebt hat, dem ähh, wird aufgefallen sein, dass sie mit einem bombastischen Sound geglänzt haben. Nun ist es allerdings so, dass aufgrund der stark eingeschränkten musikalischen Fähigkeiten der drei enorme Ansprüche an Material und Personal gestellt werden. Ein echtes Liveerlebnis wird nur durch viele technische Kniffe ermöglicht, die wiederum sehr viel Zeit erfordern. Mir bleibt nichts anderes übrig, als ewig lange Soundchecks mit der Band durchzuführen und die Jungs dabei richtig hart ranzunehmen. Und ähh, davon will ich euch erzählen, also—, wichtig ist schon, am Anfang der Band beim Aufbau der Instrumenten nicht zu helfen, sich ans FoH zu stellen und die Band in kurzen Abständen zu fragen, ob's denn schon Signale gibt und ob sie so weit sind. Wenn dann unsere Künstler so weit sind, verwirre ich sie komplett, indem ich ihre Fragen erst mit langen Kunstpausen beantworte, so tue, als hätte ich sie nicht bemerkt oder mich ab und an unter dem Mischpult verstecke und sie komplett ignoriere. Wenn ich das ’ne Weile gemacht hab', sind die richtig gut drauf. Ja, und nach einiger Zeit heißt es dann: „Tillmann, starten Sie die Partituren.“ Inzwischen ein geflügeltes Wort im Egotronic-Kosmos, darf ich doch nie erwähnen, dass es sich dabei um das Playback handelt. Und dann noch mickrige drei Spuren. Das ist aber kein Problem. Wir bestellen dafür auch stets extra ein großes Mischpult mit vielen Kanälen und somit schöpft das Publikum keinen Verdacht. Endemanns infernale Bässe stellen mich auch immer wieder vor große Aufgaben. Wenn die überhaupt mal laufen, dann ähh, muss man da klanglich auch stark nachbessern. Am wichtigsten für die Band ist natürlich, dass die Vocals gut rüberkommen und ähh, dafür brauchen wir natürlich 'ne Menge spezieller Sachen. Ähm, wir haben für die Stimmen drei handselektierte SM58 mit vergoldeten und künstlich gealterten Tauchspulen und führen dann die Stimmen über eine 96 I/O 4 HE große Kompressorenmatrix mit fein auf die Transienten abgestimmten flexiblen Attackzeiten und logarithmisch beschleunigten Releaseverhalten. Das ist aber noch nicht alles, spezielle Raum-in-Raum-Effekte mit ausgeklügelten Formantfiltern aus der Raumfahrt geben den Stimmen die gewohnt plastische Präsenz und eindringliche psychologische Durchschlagskraft. Na ja, und nicht zu vergessen, was auch echt wichtig ist, ist, dass ich ähh, meinen eigens entwickelten Störsender für WLAN-Netzwerke neben jeder Bühne abstelle, denn ähh, man muss den chronisch unterforderten Tillmann doch davon abhalten, während der Show Emails zu schreiben oder auf Facebook zu posten. Ja, wenn das alles stimmt, dann ähh, kann das ’ne gute Show werden.​